EINWEIHUNG EINES GEDENKSTEINES

Veröffentlicht am 06.10.2021 in Anträge

Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig (rechts), Antje Arold-Hahn (2. v.r.)

Im Sommerhoffpark im hinteren Gutleutviertel  (übrigens einer der schönsten Parks in Frankfurt, den kaum einer kennt) hat die Frankfurter Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig (SPD) im September 2021 einen Gedenkstein für Susanna Margaretha Brandt eingeweiht.

Wer war das?

Susanna Margaretha Brandt war eine arme, ledige Magd, die – vor nunmehr 250 Jahren - in einem einfachen Gasthaus arbeitete und von einem durchreisenden Gast geschwängert wurde – für sie damals eine ausweglose Situation. 

Nach der heimlichen Geburt des Kindes tötete sie das Kind in ihrer Verzweiflung, wurde verhaftet, in einem ausführlichen Prozess 1772 als „Kindsmörderin“ zum Tode verurteilt, auf der Hauptwache hingerichtet und hier ungefähr dort, wo jetzt der Gedenkstein an sie erinnert, auf dem so genannten „Schandfriedhof“ (für Hexen und Mörder) vor den Grenzen der Stadt mit ihrem Kind begraben. Susanna Margaretha Brandt war Inspiration und Vorbild für die Figur des Gretchens in Goethes Tragödie „Faust“. Goethe lebte zur Zeit ihres Prozesses und Hinrichtung in Frankfurt und hat sich mutmaßlich intensiv mit diesem Gerichtsverfahren auseinandergesetzt.

Initiatorin für die Errichtung dieses Gedenksteins war Antje Arold-Hahn (Mitglied im Vorstand des SPD-Ortsvereins Bahnhof/Gutleut), der es gelang, den Ortsbeirat davon zu überzeugen, dieses Projekt mi 2500€ zu unterstützen (weitere 3000€ kamen vom Kulturdezernat). Sie sprach bei der Einweihung darüber wie sich der gesellschaftliche und juristische Umgang mit ungewollten Schwangerschaften seit damals verändert hat. Ein uneheliches Kind war in der damaligen Zeit eine Schande, der Kindsvater war längst weiter gereist und es wäre ihr mit einem unehelichen Kind  kaum noch möglich gewesen einen "anständigen" Beruf auszuüben, um sich und ihr Kind zu ernähren.

In einem kleinen Buch, das Antje Arold-Hahn kürzlich veröffentlichte, beschreibt sie sehr anschaulich, welches Schicksal eine Susanna Margaretha Brandt in den Jahren 1871, 1971 und 2021 in einer vergleichbaren Situation erlitten hätte. Zum Glück hat sich das gewandelt von der "schändlichen" Hinrichtung damals zur Schwangerschaftsberatung und möglichen legalen Abtreibung im Jahr 2021. Wer dieses Buches gerne haben möchte, kann es über das „Nachbarschaftsbüro Gutleut“ in der Speicherstr. 20 erhalten: Telefon 069-74737838, Email: gutleut@frankfurt-sozialestadt.de

Später wird der Gedenkstein auch noch mit einem QR-Code versehen, über den man im Internet noch mehr Informationen dazu finden kann.

Und sogar eine Nachfahrin aus der Familie der Susanna Margaretha Brandt war bei der Einweihung anwesend.

 

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